Prof. Dr. rer. pol. Rüdiger Ulrich
Berufungsgebiet
Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen
150 Top-Manager haben Jeremy Rifkin auf die Frage, ob sie die Welt, die sie mitgestalten für erstrebenswert halten, mit Nein geantwortet. Eine für Wirtschaftslehrer abgewandelte Frage zur „Welt, die sie lehren“ führt vermutlich zum selben Ergebnis. Kein Zweifel, die ökonomische Wissenschaft steckt in einer Krise. Eine Disziplin, die angetreten ist, wissenschaftlich das Haushalten mit knappen Gütern zu begründen, ist selbst zum Motor weltweiter Verschwendung von Naturressourcen geworden. Gleichzeitig werden Millionen von Menschen überflüssig, für die Ökonomen wissenschaftlich nichts mehr zu bieten haben, außer peinlichen Konzepten aus Leiharbeit und Niedrigstlöhnen.
Die Wirtschaftswissenschaft, die das risiken- und chancenorientierte Denken in Alternativen lehrt, kennt selbst nur eine Entwicklungsalternative - die Globalisierung. So irreführend der Begriff von vornherein ist, da er eine scheinbar naturgesetzmäßige Aufteilung der Welt unter amerikanisch-westliche Konzernzentralen suggeriert, so entschieden muss man seinen Vorurteilen widersprechen. Die Globalisierung löst keines der ökonomischen Probleme Ostdeutschlandes mehr, ganz zu schweigen von Osteuropa und schwächer entwickelten Regionen.
In Anbetracht überwältigender Risiken und einer das nicht ferne Ende vorwegnehmenden Hybris der Hauptakteure der Globalisierung geht es wirtschaftswissenschaftlich heute um eines: Alternativen zu ihr.
Leipzig, im Januar 2003
"Niall Ferguson, einer der besten Kenner der Finanzgeschichte" (FAZ, 24.02.2009, S.12) im Interview:
"Sehen Sie auch die Gefahr einer Welle protektionistischer Maßnahmen?
Das wäre das Albtraumszenario – eine komplette Wiederholung der Geschichte und ein Zusammenbruch der Globalisierung. Das schlimmste Szenario wäre, wenn die Konjunkturprogramme den Finanzbedarf der Staaten so stark erhöhen, dass sie sich nur noch über die Zentralbanken finanzieren können. Die Fed druckt immer mehr Geld, der Dollar wertet ab, es gibt Streit darüber. Dann fordert die öffentliche Meinung protektionistische Maßnahmen, Zölle – es folgen Handelskriege wie in den dreißiger Jahren.
Wie realistisch ist dieses Szenario?
Die Wahrscheinlichkeit dafür schätze ich auf mehr als 50 Prozent." Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 24.02.2009
"Ökonomie ist die Kunst, das Beste aus unserem Leben zu machen." (George Bernhard Shaw) Diesen Satz muss man heute unbedingt wörtlich nehmen, wenn man positive ökonomische Perspektiven sucht. Die alten wirtschaftswissenschaftlichen "Tonnenideologien" des vorökologischen Zeitalters (Smith, Marx, Keynes…) sollte man dabei unbedingt hinter sich lassen. Ziel muss es sein, Ökonomie aus ihrer technokratischen Erstarrung wieder auf "unser Leben" zu beziehen, also auf den Menschen. Am Anfang dieses Weges steht ein durchaus mühevolles interdisziplinäres Unterfangen. Es ist eine neue vielschichtige Wahrnehmung des inneren Wertes der Dinge mit weit reichenden Konsequenzen. Am Ende des Weges wartet ein einmaliger ökonomischer Horizont - Effizienzsprünge in Größenordnungen und Nachhaltigkeit.
Beginnen wir in Ostdeutschland. Regionalisierung heißt der Arbeitstitel der viel versprechenden Entwicklungsalternative, die für kreative Studenten anspruchsvolle Diplomarbeitsthemen bietet. Reden wir gemeinsam darüber.
Laufende Forschungsprojekte:
- Potenzialanalyse regionaler Wertschöpfungsketten in Mitteldeutschland
- Existenzgründungen aus Leipziger Hochschulen – Selbst-Management-Initiative-Leipzig (SMILE- www.smile.uni-leipzig.de)
zuletzt aktualisiert am 12.08.2010E-Mail an den Autor senden


