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„Nicht alles ist Aufgabe der Hochschule“

Alumni-Geschichten: Informatik-Absolvent Matthias Jauernig im Gespräch

11.09.2017, Verfasser: HTWK Leipzig

Informatik-Absolvent Matthias Jauernig ist heute freiberuflicher Softwareentwickler/-architekt im Großraum Frankfurt/Main

Matthias Jauernig studierte 2003-2008 Informatik an der HTWK Leipzig und ist heute freiberuflicher Softwareentwickler/-architekt im Großraum Frankfurt/Main. Im Studium hatte er vor allem viel Spaß. Obwohl er die Qualität der Lehre als herausragend einschätzt, musste er sich dennoch vieles weitere im Beruf aneignen. Es sei jedoch nicht Aufgabe der Hochschule, alles in die Lehrpläne zu packen.

 

Was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn, wenn Sie heute an Ihr Studium denken?
Matthias Jauernig: Vor allem unglaublich viel Spaß, den ich am Studieren hatte. Mich hat es immer motiviert, mir neues Wissen anzueignen und mein Bestes zu geben. Das Studium an der HTWK hat da aus meiner Sicht auch die besten Voraussetzungen gegeben. Fordern und Fördern war vielen Professoren ein großes Anliegen. Mit der Spezialisierung nach dem Grundstudium fand ich in den Bereichen Algorithmik, Bildverarbeitung und künstliche Intelligenz dann auch viele Themen, die mich sehr begeistern konnten. Gern denke ich auch an die Erstellung meiner Bachelor- und Masterarbeit zurück. Prof. Jahn war stets außerordentlich motiviert und engagiert, mich hierbei zu unterstützen und ebenso zu fördern.

Heute sind Sie freiberuflich. Wie kamen Sie dazu und wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?
Jauernig: Nach dem Studium bin ich nach Frankfurt/Main gegangen und habe eine sehr gute Festanstellung als Softwareentwickler in einem kleineren Beratungshaus angenommen. Nach 6,5 Jahren in der Firma brauchte ich allerdings neue Impulse. Ich kannte einige Freiberufler und entschied mich dann Anfang 2015, selbst diesen Weg zu gehen. Und habe es nicht bereut! Heute unterstütze ich Kunden meist vor Ort im Raum Frankfurt und entwickle Software für sie (C#/.NET, Angular, TypeScript, …) bzw. berate sie in technologischen und architekturellen Fragen. Ob ich das für ewig machen will, bezweifle ich allerdings. Da ist dieser innere Drang, selbst eine Firma zu gründen und als Unternehmer Werte zu schöpfen. Dem kann ich mich auf Dauer wohl nicht verschließen ;-)

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer jetzigen Tätigkeit?
Jauernig: Neben einem sehr guten Verdienst bin ich freier als in der Festanstellung. Ich bin nicht meinem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet, sondern mir selbst und maximal meinen Kunden. Zudem bin ich flexibler in meiner Zeiteinteilung, z.B. wann ich Urlaub mache oder auch mal einen Tag frei. So konnte ich mir beispielsweise auch vor 2 Jahren die Zeit optimal einteilen, um für den IRONMAN zu trainieren. Oder um Speaker auf der ein oder anderen Konferenz zu sein oder mal einen Fachartikel zu schreiben… Und ganz ehrlich: das Risiko hält sich als IT-Freiberufler stark in Grenzen, ebenso wie der zeitliche Aufwand für Steuern etc.. Die Nachfrage nach Entwicklern ist derzeit (zumindest in den Ballungsräumen) so hoch, dass ein Mangel an Sicherheit für mich kein Problem darstellt. Ich bekomme täglich mehrere Anfragen und habe die Freiheit mir auszusuchen, welches Projekt ich annehme und welches nicht.

Was hat Sie in Ihrem Berufsleben überrascht – positiv und negativ?
Jauernig: Positiv war ich überrascht von der Vielzahl an Projekten und Aufgaben, die man als Softwareentwickler übernehmen kann. Projekte und Teams sind heutzutage häufig so dynamisch, dass man sich entsprechend seiner Fähigkeiten immer gut einbringen kann. Auch die Übernahme technologischer Innovationen in realen Projekten findet oftmals zeitnah statt und macht mir großen Spaß. Negativ überrascht war ich zum einen von der mangelnden Softwarequalität in vielen Projekten und von schlecht ausgebildeten Entwicklern, die oftmals nach der Devise „Hauptsache es läuft“ arbeiten. Standards im Software-Design und Praktiken wie Clean Code sind da oftmals Fehlanzeige. Zum anderen erlebe ich immer wieder, wie gerade bei großen Firmen unglaublich viel Geld (Millionen Euro) zum Fenster herausgeworfen wird, aufgrund unnötig komplexer Prozesse, Strukturen und schlecht gemanagter Projekte. Da darf man manchmal gar nicht tiefgründiger drüber nachdenken…

Hat Sie das Studium an der HTWK gut auf die Arbeitswelt vorbereitet?
Jauernig: Die Qualität der Lehre war herausragend, hier konnte ich sehr viel Basiswissen aufbauen. Gerade das Hintergrundwissen in Algorithmik, Komplexität, Compilerbau etc. hat mir doch sehr geholfen, gewisse Abläufe in realen Projekten besser zu verstehen. Klar, dass nicht alles von Relevanz ist und klar, dass auch Themen fehlen. Gerade Richtung Softwarearchitektur, Softwaredesign, Clean Code, etc. musste ich mir dann noch viel in der Praxis aneignen, aber ich sehe es auch nicht unbedingt als Aufgabe der Hochschule, dies alles in die Lehre aufzunehmen. Das Studium schafft eine breite Wissensbasis und formt die Arbeitsweise, es sollte keine Berufsausbildung sein. Zweifellos habe ich Skills wie Selbstorganisation, Strukturierung, Gewissenhaftigkeit und Qualitätsbewusstsein mit ins Arbeitsleben übernehmen können, was mir tagtäglich außerordentlich hilft.

Welchen Ratschlag würden Sie Studierenden Ihres Faches aus heutiger Sicht geben?
Jauernig: Seid mutig! Ihr könnt viel erreichen – wenn ihr euch traut. Macht Fehler und lernt daraus. Tut Dinge, die euch motivieren und voranbringen. Tut sie mit Herzblut! Und seid vielseitig – lernt stetig Neues, um euren Geist lebendig und flexibel zu halten.

 

(Stand: September 2017)

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